StartWissenEMV-Normen-Überblick

Ratgeber · Normen

EMV-Normen verstehen — welche Norm gilt für mich?

Der Normendschungel ist sortierter, als er aussieht: drei Ebenen, eine klare Reihenfolge. Wer sie kennt, findet die richtige Norm schneller.

1. Grundnormen (Basic Standards)

Sie beschreiben die Prüfverfahren selbst — wie gemessen wird, nicht welche Grenzwerte gelten. Beispiele: die Reihe IEC/EN 61000-4-x für Störfestigkeit (ESD, Burst, Surge — siehe ESD, Burst & Surge).

2. Fachgrundnormen (Generic Standards)

Sie legen Grenzwerte je Umgebung fest und gelten, wenn keine passende Produktnorm existiert. Die Reihe EN 61000-6-x:

  • 61000-6-1 — Störfestigkeit, Wohn-/Geschäfts-/Leichtindustrie
  • 61000-6-2 — Störfestigkeit, Industrie (strenger)
  • 61000-6-3 — Störaussendung, Wohn-/Geschäftsbereich
  • 61000-6-4 — Störaussendung, Industrie

Industrie-Störfestigkeit ist strenger (mehr Störungen vor Ort); die Wohnbereichs-Emissionsgrenzwerte sind strenger als die der Industrie (Nähe zu Rundfunkempfang).

3. Produkt- und Produktfamiliennormen

Sie haben Vorrang: existiert eine Produktnorm (z. B. für Automotive die CISPR-25-Familie, für Hausgeräte CISPR 14), gilt diese statt der Fachgrundnorm.

Die Reihenfolge in einem Satz

Produktnorm vor Fachgrundnorm; die Grundnorm liefert das Prüfverfahren dahinter. Diese Normen sind der Schlüssel zur Konformitätsvermutung der EMV-Richtlinie.

Häufige Fragen

Woher weiß ich, welche Norm für mein Produkt gilt?
Zuerst prüfen, ob eine Produkt-/Produktfamiliennorm existiert — sie hat Vorrang. Wenn nicht, greift die passende Fachgrundnorm (EN 61000-6-x) je nach Einsatzumgebung. Wir übernehmen diese Normenidentifikation als ersten Schritt jedes EMV-Projekts.
Was ist der Unterschied zwischen IEC und EN?
IEC-Normen sind international; als EN (Europäische Norm) übernommen und im EU-Amtsblatt gelistet, lösen sie die Konformitätsvermutung der EMV-Richtlinie aus. Inhaltlich sind sie meist identisch (z. B. IEC 61000-4-2 = EN 61000-4-2).

Quellen: IEC — Generic EMC Standards, EN 61000-6 Übersicht. Konkrete Anwendbarkeit immer gegen die gültige Normfassung prüfen.