Gleichtakt vs. Gegentakt
Leitungsgebundene Störungen treten in zwei Formen auf: Gegentakt (differential mode, zwischen den Leitern) und Gleichtakt (common mode, alle Leiter gegen Masse/Erde). Beide brauchen unterschiedliche Filterelemente.
Die Bausteine
- X-Kondensatoren liegen zwischen den Leitern (L–N) und bedämpfen Gegentakt-Störungen.
- Y-Kondensatoren liegen von Leiter gegen Masse/Erde und bedämpfen Gleichtakt-Störungen.
- Stromkompensierte Drossel (common-mode choke): Für Gleichtaktströme wirkt sie hochohmig (die Flüsse addieren sich), für das Nutzsignal im Gegentakt heben sich die Flüsse auf — das Nutzsignal wird kaum gedämpft.
Reihenfolge: erst messen, dann filtern
Sinnvoll ist, zuerst die modale Natur der Störung zu messen (Gleich- oder Gegentakt) und den Filter danach aufzubauen. Für hohe Dämpfung kommen zweistufige Filter (zwei Drosseln, zusätzliche X-Kondensatoren) zum Einsatz.
Filter gehört an die Grenze
Ein Filter wirkt nur, wenn er am Gehäuse-/Schnittstellenübergang sitzt und sauber niederohmig auf Masse kontaktiert ist. Schlechte Erdung oder lange Zuleitungen machen den besten Filter wirkungslos — wie auch bei der Schirmung.
Häufige Fragen
Warum wirkt mein Standard-Netzfilter nicht?
Häufig, weil die Störung überwiegend Gleichtakt ist, der Filter aber auf Gegentakt ausgelegt wurde — oder weil die Masseanbindung zu hochohmig ist. Erst die modale Natur messen, dann gezielt filtern.
Filter oder Schirmung?
Beides: Filter bekämpfen leitungsgebundene Störungen, Schirmung die gestrahlten. Mehr dazu in Schirmung & Filterung und EMV-Messverfahren.