StartWissenSchirmungsmaterialien

Ratgeber · Schirmung

Schirmungsmaterialien — was wirklich dämpft.

Eine Schirmung wirkt durch zwei Mechanismen — Reflexion und Absorption. Welcher dominiert, hängt von Frequenz, Feldtyp und Material ab. Das entscheidet über die Materialwahl.

Schirmdämpfung = Reflexion + Absorption

Die Schirmdämpfung (Shielding Effectiveness, in dB) setzt sich aus drei Anteilen zusammen: Reflexionsverlust (R) an den Grenzflächen, Absorptionsverlust (A) im Material und einem Korrekturterm für Mehrfachreflexionen (B). Faustregel: Bei niedrigen Frequenzen dominiert die Reflexion, bei hohen die Absorption.

Elektrische vs. magnetische Felder

Elektrische Felder lassen sich vergleichsweise leicht schirmen. Niederfrequente Magnetfelder sind am schwersten abzuschirmen: kleiner Absorptionsverlust und niedrige Wellenimpedanz führen zu geringem Reflexionsverlust.

Materialwahl

Gut leitende Materialien wie Kupfer und Aluminium liefern hohe Reflexionsverluste für elektrische Felder. Für niederfrequente Magnetfelder sind dagegen ferromagnetische Materialien (z. B. Stahl, Mu-Metall) mit hoher Permeabilität wirksamer.

Dicke hilft — aber gezielt

Der Absorptionsverlust steigt mit der Materialdicke (in Skin-Tiefen), der Reflexionsverlust ist dagegen weitgehend dickenunabhängig und hängt vom Impedanz­sprung ab. Wichtiger als Dicke sind oft Schlitze, Spalte und Durchführungen: Eine Öffnung wirkt wie eine Antenne und kann die beste Schirmung unwirksam machen.

Häufige Fragen

Warum schirmt mein Gehäuse trotz Metall schlecht?
Meist liegt es nicht am Material, sondern an Öffnungen: Lüftungsschlitze, Spalte an Deckeln, ungeschirmte Kabeldurchführungen. Eine durchgehende, niederohmige Verbindung (360°-Kontaktierung) ist oft entscheidender als die Wandstärke.
Schirmung oder Filterung — was zuerst?
Beides gehört zusammen. Leitungsgebundene Störungen bekämpft man mit Filtern, gestrahlte mit Schirmung. Mehr dazu im Artikel Schirmung & Filterung.